Mittwoch, 13. Juni 2012

Tag 25/117 - Murphys Gesetz - Willkommen im Chaos

Joa... heute steckt der Teufel im Tag. Mit meinem Entwurf kam ich ja bisher ganz gut durch, alle Zeichnungen sind fertig, das Modell ist wunderschön geworden und ich bin auch zeitig fertig geworden.

Gestern Abend hab ich dann noch zweimal den Vortrag meines Freundes angehört, der heute (fast zeitgleich mit mir, nur an dem anderen Campus) präsentieren musste. Ich hab nicht nochmal vorgetragen. Ich hab gedacht, ich mach das schon ohne Stichpunkte und alles. Frei reden kann ich insbesondere da ja schon, zumal das meine Lieblingsprofessorin ist, bei der ich nicht in Angstschweiß ausbreche, bei Präsentationen.

Wofür also den Vortrag üben? Beim letzten Kolloquium (super Vortrag) hab ich schließlich auch improvisiert. Nun, das Üben mit meinem Freund hat umso länger gedauert. Bis ein Uhr Nachts habe ich also komplexen wirtschaftlichen Theorien gelauscht (und kaum ein Wort verstanden, aber ich wollte nicht Blondes Dummchen spielen und bei jedem Wort nachfragen was das heißt)... Es ist so spät geworden und ich war sooooo saumüde.

Haben dann noch ne Folge BBT geschaut und dann ab ins Bettchen. Morgens bin ich auch normal aufgestanden und es gab leckere Brötchen aus dem Ofen. Die auch nicht verbrannt sind. Der Tag war erst verhext als mein Bauch mal wieder Probleme bereitete. Dabei war ich doch garnicht so aufgeregt, war doch die typische "Präsentationsatmosphäre" vorm Prof... aber naja... Bauch wollte Zicken machen.

Nachdem die Zicken vorbei waren hab ich mir dann auch nen Taxi geholt für mein Monstermodell:

Da fing es schon an... Das Taxi fand mein Haus nicht. Aber kam dann ca. 5 Min später, also war es nicht so wild. Dann hab ich mein Modell ins Taxi auf die Rückbank verfrachtet. Zack, eckte ich am Türrahmen an und das linke Innenleben des Modell zerbrach. Hab mir gedacht: "Super, aber ich hab ja Ponal (Wunderwaffe eines jeden Architekten) dabei"...

Dann fuhren wir los. Irgendwann bremste der Taxifahrer so ungünstig, dass die Hälfte des Modells durchs Taxi flog. ... Der Fahrer meinte trocken: Jetzt ist es kaputt... (ach?... hat ja nur knapp 100 EUR gekostet) - Naja, hab mir da auch gedacht: bist zum Glück was früher da, klebste im Notfall wieder alles zusammen.

Dann fragte der Fahrer, ob er hier halten sollte (auf der anderen Straßenseite auf dem Zubringer einer Hauptstraße. Ich dachte nur so: Joa... lieber hier rauslassen, als wenn der Fahrer später die Hauptstraße nen halben Kilometer entlangfahren muss um wieder auf die andere Seite zu kommen/zu wenden. Ich also beide Modellhälften (hab sie mit sowas ähnlichem wie ner Paketschnur zusammengebunden) aus dem Auto gehoben, musste es natürlich auch mitten auf die Fahrbahn stellen (wohlbemerkt: Der Zubringer der Hauptstraße... und meine Stadt ist keine Kleinstadt)... hab dann Pläne und Einzelteile wie Dach rausgenommen um den Taxifahrer von dannen ziehen lassen.

Da stand ich nun, mit nem Modell das größer war als ich. Auf der falschen Straßenseite. Ach was, Augen zu und durch. Von meiner Haustür bis zum Taxi hat es ja auch gereicht das Modell an beiden Bändeln die ich ums Modell geschnallt hab zu transportieren. Die Schäden am Modell sahen auch nicht so wild aus, die Geschosse auf einer Seite haben sich vom Rest des Gebäudes gelöst und meine schöne Schräge Wand hat sich von dannen gemacht, aber sonst war es noch zu retten.

Kein Auto weit und breit, also bin ich über die Straße. Man geht ja sehr langsam mit dem Modell, da es ja ein riesiges Volumen hat und man es nicht zum Schaukeln bringen will.

Naja, das Band hat sich auf der zweiten Fahrbahn gedacht: "Ooch, reiß ich mal" - schon kullerten beide Teile des Modells auf die Fahrbahn (ich muss jetzt nicht wiederholen dass es der Zubringer für die Hauptstraße ist?) - Das waren die panischten Sekunden meines Lebens. Ich hab mir nicht Sorgen um mich, mitten auf der Fahrbahn gemacht, sondern darum, welches Auto mein Modell wohl zu Brei fährt.

Mit dem Fuß schob ich die eine Hälfte des Modells die 2m zwischen zwei parkende Autos - die andere Hälfte in der Hand - diese stellte ich dann auch da in die Lücke, lief nochmal auf die Straße und hob dort zwei Blöcke (Umgebungsmodell) auf, die vom Modell abgebrochen sind und meine zwei Hälften des Einsatzmodells (der wichtige Part)...

Juhu, nun hatte ich ein ganz schrottiges Modell. Ich stand dann schön zwischen den parkenden Autos und musste noch über den Vorplatz der Uni und dem der Berufsschule (ca. 50-80m) - man glaubt kaum wie sehr sich das zieht. Aber ich wollte jetzt das Modell auch nicht mitten auf dem Vorplatz lassen - Innenstadtnähe und komische Leute die unterwegs waren. Ich hab also beide Hälften schön aufeinandergestapelt und bin (blind - da ich über meinem Kopf ca. 80cm Modell hatte) zur Uni gedackelt.

Wenn jetzt irgendwer aus meinem Job aus dem Fenster geguckt hätte (sitzen in der ersten Etage der Uni), hätte der nen Lachkrampf bekommen. Mit den zwei Modell die auf meinen Unterarmen abgestützt waren, habe ich es irgendwie hinbekommen die zwei schweren Glastüren zum Eingang auf zu ziehen (warum nicht drücken! Ziehen... ey! Ich musste das Modell abstellen, die Tür aufziehen, mich mit gesamter Körpergewalt dagegenschmeißen damit die Türe nicht so schnell zufällt wie sie aufgegangen ist um dann in ner Halbgrätsche mein Modell vom Boden zu hebeln. Zweimal wohlbemerkt, da es zwei doofe Türen waren.

Innen hatte ich den Hals voll. Hab das Modell mitten ins Foyer geparkt, die obere Hälfte genommen und bin dann zum Aufzug marschiert. Wenn jemand Interesse an nen 10x10m großem Modell hatte - an einer Architekturuniversiät - an der ja sowieso "niemand" ein Modell besitzt - dann sollte er es klauen...

Überm Flur traf ich dann auf zwei Arbeitskolleginnen die mir dann freundlicherweise mit dem Rest des Modells geholfen haben. Aber ich total puterrot im Gesicht, den Tränen nahe (stammelte irgendwas von: "Mir ist grad das Modell mitten auf die Straße gefallen und kaputt gegangen") und total aufgelöst. Hätt jetzt irgendwer etwas falsches gesagt, wär ich in Tränen ausgebrochen.

Mit dem Aufzug sind wir dann hoch in den obersten Stock und da hab ich mein Modell erstmal wieder zusammengeklebt, während ich überall herumerzählen musste, dass mein Modell Stuntman gespielt hat. Man sah es zum Glück nicht - aber jetzt hat es echt doofe Stellen und irgendwo ist die Pappe auch gerissen, sodass ich es wohl nicht als Endabgabemodell nehmen kann.

Da ich ja in dem Moment voller Adrenalin ware (also die Ruhe selbst... haha!) war mein Vortrag auch dementsprechend. Normalerweise bin ich in solchen Momenten die Imporvisationskünstlerin schlechthin. Hab mein Konzept im Kopf und kann das super verkaufen (ich hab da in den fünf Jahren echt Talent entwickelt)... Nicht so heute: "Ja ehm.... das ist mein Konzept... mit so nem Ding... äh... geometrische Form... eh Dings drinne...." *rumhibbel* *Tränen in Augen* *rumhüpf*... "Ah das Dach sitzt nicht richtig..." *dranrumfummel* "Aber ich erzähl mal weiter.... äh,... aber ich hab den Faden verloren... achja Wohnungen... jo hab ich auch..." ... "Treppen? Was Treppen?"... "Ehhh... und das ist halt so... eh und ich glaub ich bin fertig." - Mann! Wie im Kindergarten hab ich da rumgehaspelt.

Nun, ich bin ja immer etwas selbstkritischer mit mir, aber ich muss sagen, der Vortrag vom 1. Kolloquium (da war sogar noch ein 2. Prof bei... bei dem ich Angst hatte - aber ich hab da nen super Vortrag gehalten) war um Längen besser. Dieser Vortrag hier war schlecht. Ganz schlecht! Miserabel. Jedenfalls zum Thema: Selbstkritik.

Meine Lieblings-Unifreundin hat mich dann aufgemuntert, dass das doch super war und die Kritik auch sehr toll war und alles. (war es im Grunde auch, aber ich interpretiere da immer viel mehr negative Stimmungen rein als ich sollte) Meine Professorin war auch ganz lieb und meinte ich mach das schon. Wir gehen also wieder "Back to the Roots" - das was ich da ausprobiert habe vom letzten Kolloquium soll wieder rückgängig gemacht werden.

Dann hab ich versucht nen Witz zu machen... um die Situation aufzulockern. Mach ich öfter in so Vorträgen, wenn ich selbstbewusst bin - sind meist richtige Brüller... Naja... mit angeknackstem "Ich hab mein Modell grad auf die Straße gepfeffert-Selbstbewusstsein" ist das nicht so einfach:
Witz: "Haha, dann kann ich ja das Modell vom letzten Mal nehmen"
*Totenstille*
(warum lacht oder grinst jetzt keiner?)
*wie nen Auto guck und im Boden versinkt*
"Könnten Sie das nochmal wiederholen? Ich habe es akustisch nicht verstanden..."
(Ohje, wnen du jetzt nen Witz wiederholst, ist der nicht mehr lustig...)
"Hehe *verlegen* Ich hab nur gemeint, dass ich ja das alte Modell ja nochmal benutzen kann - war aber natürlich nur ein Witz..." ... ein Witz - Witz... wollte doch nur die Situation auflockern...
Es kam nur ein höfliches Grinsen... und ich dachte so: (Moah! Ich Idiot, hätteste mal die Klappe gehalten nach dem letzten Satz und nur noch genickt...

Naja, das war mein Horrortag. Aber die Kritik war echt gut, ich kann viel weiterentwickeln und meine Idee ist auch super. Aber nichts kommt an den Horrortag von vor einem Jahr hin... als ich während der Prüfung in Tränen ausgebrochen bin.

1 Kommentar:

  1. Das hört sich wirklich nicht gerade nach einem perfekten Tag an...

    aber soll ich dir mal was sagen.....
    ER IST VORBEI! Der morgige wird besser ;)

    Liebste Grüße

    Nicky

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